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Wetter, ein Präsident und eine amüsante Geschichte


Wenn einer eine Reise tut… So auch Matthias, der diese unterhaltsame Geschichte im Vielfliegerstammtisch erzählte. Die möchte ich (mit seiner Erlaubnis) Euch auch hier als Beitrag zum Lesen geben.

Fliegen und etwas erleben.

So, wir sind mal wieder gereist – oder haben es zumindest versucht. Die Ausgangslage war eigentlich sehr einfach: Letzter Abendflug von Zürich nach Düsseldorf. Mit genug Zeitreserve am Airport angekommen, Security durchlaufen und ausnahmsweise nicht im Shop hängen geblieben. Raus an’s Gate und gestaunt, dass trotz Ferien nicht so viele Menschen da waren. Da ich noch etwas Arbeit zu erledigen hatte und es keine Tische gab, habe ich mich am Gate vor den Schalter gestellt, iPad Pro mit Keyboard raus und los geht’s. Systemcheck, Skype mit Arbeitskollegen, einen Anruf und einige Papier-Zettelchen in die elektronische Ablage überführt.

Irgendwann kam dann ein netter, junger Herr von der Fluggesellschaft und wollte wissen, ob ich Fragen hätte. Hatte ich nicht, brauchte ja nur einen Arbeitsplatz. So haben wir dann beide unseren Job weiterverfolgt und alles war gut bis zu dem Moment, als eine Durchsage von wegen „leichte Verspätung“ kam. Der junge Herr, der offenbar so neu im Job war, dass er noch nicht selber Durchsagen machen durfte, frage mich nach meinen Anliegen. Ich hatte immer noch keine.

Etliche Durchsagen später kam dann eine alle Passagiere betreffende Durchsage: Die Abfertigung am Flughafen Zürich sei temporär eingestellt wegen dem Sturm. Meine Flightradar-App hat bestätigt, dass nur noch Flieger rein kommen, aber keine mehr raus gehen.

Der junge Herr erzählte dann weiterhin die Geschichte mit der Verspätung, sowas gehe bald vorbei. Ich nahm’s locker, ich hatte ja Zeit, WLAN und einen Arbeitsplatz.

Ein anderer Passagier kam vorbei und fragte, wie viel Verspätung wir haben würden. Der junge Herr am Schalter meinte „nicht viel, die Maschine kreist bereits über Zürich“. Das war der Moment, in dem ich mich einmischen musste, denn ich konnte auf dem Flightradar genau sehen, dass die Maschine leicht südlich von Stuttgart kreist. Mir war klar, das wird knapp.
Kurz darauf kommt ein Herr dahergelaufen, der mit vermutlich türkischer Abstammung, seinem bestimmten Auftreten, dem schlecht sitzenden Anzug und einem Turnschuh/Shirt-Kollegen im Schlepptau irgendwie kein konsistentes Bild abgab. Er wollte erstmal wissen, wann der Flieger endlich geht und ob er den Flug umbuchen kann. Er bekam von dem Herrn am Schalter eine korrekte und freundliche Antwort – und mir wurde sofort klar, warum ich seinen Job nie machen könnte: Mir fehlt die Toleranz für Grosskotz-Idioten. Wie ihm gesagt, trottelte der Tr…. – tschuldigung – Herr dann los in Richtung Transfer-Schalter.

Einige weitere Fragesteller später stand er wieder da, dieses mal mit diesem Auftritt: „Hören Sie, ich bin der Präsident von Düsseldorf und ich will jetzt fliegen“. Genauso verdutzt wie ich fragte der junge Herr am Schalter spontan: „Was für ein Präsident?“ um sich dann gleich seiner Schulung zu erinnern, worauf er dann noch eine korrekte Frage „Wie kann ich helfen?“ nachreichte. Mein Zwischenfazit lautet: Der Herr im Anzug war nicht nur „irgend ein Präsident“ der zwischen der Bedeutung „Präsident von irgendwas in Düsseldorf“ und „der Präsident aus irgendwo“ unterscheiden kann, nein, er war auch noch zu blöd, den ihm als Zielpunkt angegebenen Transfer-Schalter zu finden. Seinem Shirt-Kollegen war es sichtlich peinlich, letztendlich liessen sie sich dann nochmals den Weg zum Schalter zeigen. Danach haben wir erfreulicherweise nichts mehr von dem Menschen gesehen.

Der lustige Moment folgte, als alle Passagiere eine SMS mit der Info bekamen, dass der Flug abgesagt wurde. Die Maschine sei mittlerweile in Basel gelandet, erfuhr ich später. Der Herr am Schalter wusste es noch nicht, die SMS wurde nur wenige Sekunden nach einer Durchsage „leichte Verspätung“ verschickt. Nun war ich nicht mehr alleine am Schalter, aber ich war #1 in der Queue. Mein kurzes „Jänu“ quittierte der Airline-Mitarbeiter mit „Sie nehmen das aber sehr sportlich“.

Während der aufkommenden Verwirrung stürmte ein Herr an den Schalter, später erfuhr ich, dass er Markus heisst. Seine Aussage: „Ich fliege heute nach Düsseldorf um morgen früh jemanden aus Düsseldorf zu begleiten, der extreme Flugangt hat“. Dummerweise war die besagte Person auf dem ersten Flug DUS -> ZRH. Markus meinte dann einigermassen locker: „Ich kann heute problemlos mit dem Auto nach Düsseldorf fahren und morgen runterfliegen als Begleitung, nur wie kommt mein Auto dann zurück?“. Mein Moment war gekommen und ohne gross darüber nachzudenken stellte ich die Frage: „Was ist es für ein Auto?“. Leicht verdutzt antwortete Markus: „Ein Lotus“. So schnell wie ich sagte „kein Problem, den fahre ich runter“ konnte Markus kaum realisieren, was er grade getan hat. Man sah ihm an, dass es zu Denken begann und 30 Sekunden später sagte er: „Wirklich? Cool, dann machen wir das so.“.

Kurz Handy-Nummern getauscht, Uebergabeort vereinbart und fertig. Währenddessen hat sich noch ein junger Herr in die Diskussion eingeschaltet: „Wenn Sie heute nach Düsseldorf fahren, können Sie mich mitnehmen?“. Auch damit war Markus einverstanden.
Die Warnung von Markus „Sei vorsichtig, der Lotus hat 250PS“ konnte ich mit „keine Sorge, mein Auto hat 670PS“ in den Wind schlagen … ich glaube, er kauft jetzt auch einen Tesla.

So, Rückfahrt mit Unterhaltungs-Bonus war gesichert. Nun mussten wir aber immer noch nach Düsseldorf kommen. Laptop raus, Flug gebucht und dann zurück zum Ausfasspunkt für Hotel-Gutscheine. Angela stand schon dort, während ich noch einem getrandeten Chirurgen meinen Laptop geliehen habe, damit auch er einen FLug buchen konnte. Anschliessend Transfer ins Mövenpick Regensdorf wo wir von sehr gutem und servicefreundlichen Personal empfangen wurden. Abendessen war nicht mehr, da die Airline zu spät angerufen hat, aber wir bekamen problemlos leckere Sandwiches und Yoghurt, vorgezogenes Frühstück. tip top.

Wer jetzt denkt „das wiederholt sich“, hat Recht. Auf unserer Reise nach Luxemburg ist es und ähnlich ergangen. Hotellerie-Test im Heimatland, kann man machen.

So reisten wir am Samstag Morgen dann nach Düsseldorf, was einwandfrei klappte.

Einen Tag später: Aktuell sitze ich am Gate 42 in Düsseldorf und bin gespannt, ob der Rückflug klappt. Wind hat’s ja schonmal draussen…

Wer bis hier mitgelesen hat fragt sich nun sicher, warum ich nach Zürich fliege und nicht im Lotus sitze: Ganz einfach: Markus hat eine Lösung gefunden, mit der er die Flugangst-Person zurück nach Düsseldorf begleiten kann und anschliessend mit dem Auto wieder nach Hause kann. Effizient ist das nicht, aber mit dem Lotus macht das sicher Spass, wenn’s keinen Stau hat.

PS: Falls der Herr Präsident hier mitliest, bin ich gespannt auf seinen wirklichen Jobtitel und seine Rolle, aus der er am Freitag Abend offensichtlich gefallen war.


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