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airberlin stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung UND FLIEGT WEITER


Heute ist so einer der Tage, da macht man am besten soziale Netzwerke aus, ganz aus. Denn das was sich heute in Foren und Netzwerken abspielt, lässt sich exakt in wenige Kategorien packen.

  • Journalisten die Recherche eher doof finden
  • die die es „schon immer wussten“ und nun endlich froh sind das airberlin preite sei
  • die, die es nicht fassen können und Panik wegen ihrem Urlaubsflug haben
  • und die, die es realistisch sehen.

Leider überwiegen Gruppen 1-3. Doch mal der Reihe nach. Was ist denn eigentlich passiert und was sind die drängendsten Fragen dazu?

airberlin stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung – was ist das eigentlich?

Wer schon einmal etwas von Chapter 11 in den USA gehört hat, ein Schutzschrim für ein Unternehmen, welches zwar weiter fliegen will, aber eben nicht so recht kann, weil der Druck der Gläubiger zu groß ist. American Airlines hat das Jahre praktiziert und ist eine durchaus fliegende Airline, jeden Tag auf’s neue fliegen die Flugzeuge und niemand sorgt sich, dass es morgen nicht so sein könnte.

Insolvenz ist ein Schutz und kann auch eine Chance sein. Ich bemühe mal den Deutschen Anwaltspiegel und zitiere da:

Die Eigenverwaltung nach den §§ 270 ff. InsO stellt kein eigenes Verfahren dar. Es handelt sich vielmehr um Sonderregelungen zur Verwaltung und Verfügung über das Vermögen des Insolvenzschuldners im (vorläufigen) Insolvenzverfahren. Dies erfolgt anders als im „normalen“ Insolvenzverfahren nicht durch einen (vorläufigen) Insolvenzverwalter, sondern durch den Schuldner oder das schuldnerische Unternehmen selbst. Überwacht wird der Schuldner von einem durch das Insolvenzgericht bestellten (vorläufigen) Sachwalter. Die Insolvenzverwaltung in Eigenverwaltung ist bereits seit Inkrafttreten der Insolvenzordnung geregelt. Die Verfahrensart wurde jedoch nur selten angeordnet. Durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) aus dem Jahr 2012 wurde die Möglichkeit einer Eigenverwaltung mittels der §§ 270a und b InsO gefördert und wird seither häufiger beantragt und angeordnet.
Die Eigenverwaltung bedarf eines gesonderten Antrags des Schuldners. Weiter dürfen keine Umstände bekannt sein, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen für die Gläubiger führen wird. Sofern der Antrag des Schuldners nicht offensichtlich aussichtslos ist, soll das Gericht nach § 270a InsO bereits im Eröffnungsverfahren davon absehen, eine vorläufige Insolvenzverwaltung anzuordnen, und stattdessen einen vorläufigen Sachwalter bestellen.

Die Verwaltung nach § 270b InsO – das sogenannte Schutzschirmverfahren – kann beantragt werden, wenn der Schuldner lediglich zahlungsunfähig zu werden droht oder nur überschuldet und die angestrebte Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos ist. In diesem Fall bestimmt das Insolvenzgericht auf Antrag des Schuldners eine Frist von maximal drei Monaten zur Vorlage eines Insolvenzplans. Auch nach § 270b InsO wird ein vorläufiger Sachwalter bestellt.

Eine solche Insolvenz in Eigenverwaltung kann also durchaus eine Chance sein, eine Chance wieder auf die Beine zu kommen, weil der große Druck der Gläubiger weg ist.

Die Erklärung von airberlin im Wortlaut

airberlin hat heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, um die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen. Die Bundesregierung, die Lufthansa und weitere Partner unterstützen die airberlin bei ihren Restrukturierungsbemühungen. Die Bundesregierung unterstützt airberlin mit einem Brückenkredit, um den Flugbetrieb auch langfristig aufrecht zu erhalten. Das bedeutet:

Alle Flüge der airberlin und NIKI finden weiterhin statt

  • Die Flugpläne bleiben gültig
  • Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit
  • Alle Flüge sind weiterhin buchbar

Die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen der airberlin sind weit fortgeschritten und verlaufen erfolgsversprechend. Diese Verhandlungen können zeitnah finalisiert werden.“

Thomas Winkelmann, CEO der Fluglinie, ergänzte: „Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen.

airberlin stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung – was passiert mit Eurem Ticket

Nichts. Die Tickets bleiben weiter gültig, die Flüge finden wie gebucht statt. Es ist derzeit ein Antrag auf das Insolvenzverfahren und damit ein erster Schutz durch den so genannten Schutzschrim. Wer ein Ticket hat oder auch ein neues kauft, der wird bei dem durchgeführten Flug auch mitgenommen.

Führt eine Insolvenz zu keiner Lösung, dann sähe es irgendwann anders aus.

airberlin stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung – was passiert mit Euren Meilen?

Das Topbonus Programm gehört Etihad Airways zu 70%, also würde sich hier eine mögliche Insolvenz von airberlin nicht direkt auswirken. Ob Etihad dann weiter eine Einlösung auf bestimmten Flügen von airberlin zulässt, oder dieses dann ändert oder einstellt, das wird sich erst später zeigen.

Wichtig ist:

  • die Meilen sind Stand heute nicht weg
  • die Meilen haben den identischen Wert derzeit
  • eine Insolvenz wirkt sich nur bedingt auf Topbonus aus

airberlin stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung – behält der Status weiter Gültigkeit?

Klar. Derzeit ist airberlin weiter Mitglied der oneworld und auch die Partnerschaft mit Etihad besteht weiter. Also werden auch weiter alle Statusvorteile gewährt. Ihr könnt den Fasttrack nutzen, die Lounge besuchen und alle anderen Vorteile auch.

Natürlich könnte eine Partnerlounge, welche von airberlin kein Geld bekommen hat, einen Zugang einschränken, ob und wie das passiert ist reine Spekulation, an denen beteilige ich mich nicht.

Ich werde heute Abend noch einmal ausführlicher zu den weiteren Fragen und offenen Punkten schreiben, derzeit muss ich leider zu einem Termin. Also… wenn Ihr Fragen habt, einfach in den Kommentar.


8 Kommentare on airberlin stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung UND FLIEGT WEITER

  1. Christian Schall

    Ist es Stand heute noch möglich TB Meilen auf Fremdairlines in der OW einzulösen und was passiert mit den ausgestellten Prämien Tickets?

  2. Florian

    .. ich mag sehr deine ruhige, rationale Betrachtung. Aber man ist selbst „zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“. ‚Keine Fortbestehensprogonose‘ klingt nicht besonders optimistisch.

    Und lt. Spiegel: „Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium gemeinsam mit.“

    D.h. man sieht selbst (in dem aktuellen Set-Up) keine Chancen und eigentlich müsste man sofort aufhören zu fliegen – wenn da nicht der Brückenkredit wäre. Das sind schon zwei ziemliche Hammer.

    Ich glaube, wir brauchen eine zweite, starke Linienfluggesellschaft in Deutschland (genug Nasen sind wir ja). Aber ich habe meine Zweifel, dass dies AirBerlin sein wird. Die Situation ist schwer mit AA (die noch eine riesige Flotte besitzen) und amerkanischem Gläubigerschutz zu vergleichen.

    PS: trotzdem freue ich mich auf meinen nächsten AB-Flug.

  3. Chilangoflyer

    Das war je irgendwann absehbar, bei den Problemen von AB im 1.HJ 2017 (wetlease der unterirdischen Maschine von PrivilegeStyle, Gepäckprobleme etc.). Trotzdem ist es ein Priblem, wenn die letzte Konkurrenz der LH wegfällt. Ich habe im November noch einen Zubringerflug nsch ARN. Die Frage ist für mich, abwarten ider mit 2. Ticket absichern? 😉

  4. Axel

    Guter Kommentar, aber ich fürchte bis Ende des Jahres ist der Name Air Berlin Geschichte, die LH krallt sich alles was geht und der Rest landet bei Easyjet. Die nächsten drei Monate geht noch alles, aber dann ist vorbei. Interessant ist es für Leute die Flüge für nächstes Jahr gebucht haben…

  5. Jue

    „… UND FLIEGT WEITER“ hat etwas von BILD Sensationsjournalismus.

    Ich stimme zwar zu einiges ist aktueell überzogen und nicht/falsch recherchiert aber ein „alles kein Problem“ wie von dir oben suggeriert ist mE auch unseriös.

    Der Zustand der Airline ist einfach katastrophal aus wirtschaftlicher Sicht, und jeder der nun vA mittel/langfristig weiter AB bucht darf sich am Ende nicht wundern wenn er dann doch durch die Finger schaut (das kann sehr wohl auch bestehende Tickets betreffen bzw worst-case auch eher kurzfristig).

    Also diesen Happy AB Sunday oder wie auch immer sich das nennt besser vorerst auslassen 😉

    • HI JUE,

      das steht auch da bei mir im Beitrag. Aber… die Flüge werden derzeit weiter geführt, daher auch das „UND FLIEGT WEITER“. Eher als Antwort auf „jetzt stehe ich in Malle am Airport und komme nicht nach hause“.
      Klar ist es so, wenn ich heute einen Flug buche für Ende des Jahres und die Airlines ist dann nicht mehr existent, findet er nicht statt. Wird der Part übernommen vll schon, das ist aber alles viel Spekulation und wenig Wissen.

  6. Volker

    … mir ist der Blogbeitrag aus juristischer Sicht zu optimistisch. Auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung ist nun mal eine Insolvenz. Der Schuldner kann nach § 279 InsO wählen, ob noch nicht vollständig erfüllt Verträge erfüllt werden. Die Inhaber bereits voll bezahlter Tickets sind bloße Insolvenzgläubiger nach § 87 InsO. Schön für die Ticektinhaber, wenn aus Gründen des Insolvenzverfahrens (beispielsweise Erhalt des Unternehmenswertes für eine Veräußerung) die Tickets noch anerkannt werden. Dies kann sich aber blitzartig ändern. Vorsicht ist also geboten.

  7. Philipp

    Hallo, ich stimme Jue zu, auch mir ist Deine Einschätzung zu optimistisch. Es kann schon sein, dass die Flüge offiziell weiter laufen sollen – aber in der Realität sieht das oft ganz anders aus. Ich spreche aus Erfahrung und habe selbst schon erlebt, wie Air Berlin dutzende Flüge ohne Angabe von Gründen gestrichen hat, meinen Koffer verloren hat und über Monate (!) nicht ans Telefon gegangen ist. Insofern kann ich nur sagen: Wer weiter mit dieser Fluglinie fliegt, hat wirklich Gottvertrauen.

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